Anhand einiger Schadenbeispiele wird schnell deutlich, wie viel Potenzial für Betrugsfälle die Künstliche Intelligenz mit sich bringt. Neben den vielen Chancen ist es wichtig, sich auch über die Risiken zu informieren und diese in den Betriebsabläufen zu berücksichtigen.
Künstliche Intelligenz verändert die Versicherungsbranche rasant. Während auch viele Vermittler die neue Technologie bereits in ihrem Alltag, etwa für die Kundenkommunikation, die Erstellung von Content für Social-Media-Plattformen oder die Prozessoptimierung nutzen, eröffnet KI gleichzeitig neue Möglichkeiten für Betrüger. Deepfakes, Stimmenklone und täuschend echte Phishing-Nachrichten machen es zunehmend schwieriger, echte von gefälschten Informationen zu unterscheiden.
Zwar sind viele Betrugsmaschen nicht neu, doch die Qualität, Geschwindigkeit und Skalierbarkeit, mit der Kriminelle heute vorgehen können, hat eine andere Dimension erreicht. Mithilfe frei verfügbarer KI-Tools lassen sich professionelle Texte, Bilder, Videos und sogar Stimmen erstellen, die authentisch wirken und Vertrauen schaffen. Experten beobachten deshalb eine deutliche Zunahme KI-gestützter Betrugsversuche.
Für Vermittler bedeutet das: Nicht nur im eigenen Betrieb steigen die Risiken, auch in den Beratungsgesprächen mit Gewerbekunden müssen sie benannt werden. Hier ein paar Beispiele sowie entsprechende Handlungsempfehlungen.
Schadenbeispiel 1: Der Anruf vom „Chef“
Ein Mitarbeitender erhält einen Anruf von seinem vermeintlichen Geschäftsführer. Die Stimme klingt vertraut, die Situation wirkt dringend. Es soll kurzfristig eine Überweisung freigegeben oder eine vertrauliche Information weitergegeben werden.
Tatsächlich stammt die Stimme jedoch von einem KI-System. Mithilfe weniger Sekunden Audiomaterial können Kriminelle heute Stimmen täuschend echt nachbilden. Solche sogenannten Voice-Cloning-Angriffe nehmen weltweit zu und werden auch im Mittelstand beobachtet.
Das kann man tun:
- Gewerbetreibende sollten für diese Form des Social Engineerings sensibilisiert werden.
- Finanzielle Freigaben sollten niemals allein auf Basis eines Anrufs erfolgen.
- Kritische Anweisungen sollten über einen zweiten Kommunikationsweg bestätigt werden.
Betrugsbeispiel 2: Deepfake-Videos
In sozialen Netzwerken tauchen immer häufiger Videos auf, in denen angeblich Prominente, Unternehmer oder Finanzexperten Anlageprodukte empfehlen. Tatsächlich handelt es sich um Deepfakes, also KI-generierte Videos, die Menschen Aussagen in den Mund legen, die sie nie gemacht haben.
Auch im Versicherungsumfeld sind solche Szenarien denkbar. Kunden könnten beispielsweise vermeintliche Empfehlungen bekannter Experten oder Versicherungsvertreter sehen und daraufhin persönliche Daten preisgeben oder auf gefälschte Webseiten gelangen.
Das sollte man wissen:
- Die Glaubwürdigkeit eines Videos ist heute kein Beweis für dessen Echtheit.
- Kunden sollten grundsätzlich auf offizielle Quellen verwiesen werden.
- Empfehlungen aus Social Media sollten kritisch hinterfragt werden.
Betrugsbeispiel 3: KI-gestützte Phishing-Mails
Früher ließen sich Phishing-Mails oft an Rechtschreibfehlern oder unprofessionellen Formulierungen erkennen. Moderne KI-Tools erstellen dagegen fehlerfreie, personalisierte Nachrichten in perfektem Deutsch. Kriminelle können dabei öffentliche Informationen aus sozialen Netzwerken oder Unternehmenswebseiten nutzen und glaubwürdige Nachrichten erstellen. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Empfänger auf Links klicken oder Zugangsdaten preisgeben.
Darauf ist zu achten:
- Mitarbeitende regelmäßig schulen, zum Beispiel auf E-Mail-Absender zu achten
- Links und Anhänge kritisch prüfen
- Multifaktor-Authentifizierung einsetzen
- Verdächtige Nachrichten grundsätzlich verifizieren
Betrugsbeispiel 4: Gefälschte Identitäten
KI kann nicht nur Stimmen und Videos erzeugen, sondern auch Fotos, Ausweisdokumente oder Profilbilder erstellen. Dadurch werden Identitätsprüfungen schwieriger. Ein potenzieller Kunde könnte beispielsweise mit einer vollständig KI-generierten Identität auftreten. Besonders bei digitalen Prozessen ohne persönlichen Kontakt steigt das Risiko von Betrugsversuchen.
Das sollte man beachten:
- Identitätsprüfungen konsequent durchführen
- Auffälligkeiten bei Dokumenten hinterfragen
- Bei größeren Risiken zusätzliche Verifizierungsmaßnahmen einsetzen
Versicherungsbetrug als weitere Masche
Neben diesen Betrugsszenarien wird auch der Versicherungsbetrug durch einen manipulierten Schadensfall zunehmen. Mit modernen Bildgeneratoren lassen sich Schäden, Gegenstände oder Situationen künstlich erzeugen oder verändern. Dadurch könnten künftig auch Versicherungsbetrugsfälle professioneller inszeniert werden. Ein manipuliertes Foto eines angeblichen Wasserschadens oder gestohlener Gegenstände kann auf den ersten Blick plausibel erscheinen. Die technische Entwicklung macht eine sorgfältige Plausibilitätsprüfung wichtiger denn je.
Die zunehmende Verbreitung von KI schafft einen wachsenden Beratungsbedarf. Unsere Empfehlung: Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter und berücksichtigen Sie das erhöhte Risiko bei der Beratung Ihrer Kunden.
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